09.12.2010

Hilfe für die Menschen in den Notlagern von Haiti weiter nötig

(Centre de Santé et Développement Integré –Zentrum für Gesundheit und integrierte Entwicklung) in vier Notlagern in Croix-des-Bouquets am Stadtrand von Port-au-Prince.
Zehn Monate nach dem Beben leben dort noch immer 12.000 Menschen unter prekären Bedingungen, darunter 2.440 Kinder. CSDI kümmert sich vor allem um die medizinische Versorgung und die Bildung der Kinder.
Im Oktober waren Vera Siber, Referentin für Humanitäre Hilfe, und Christiane Eitel, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, für AWO International vor Ort, um sich ein Bild über den Fortschritt des Projekts zu machen. Mittlerweile gibt es in den Notlagern zwei Gesundheitsstationen: An fünf Tagen in der Woche werden hier Kranke kostenlos behandelt und mit Medikamenten versorgt. Am häufigsten kommen Menschen wegen Hauterkrankungen und Bindehautentzündungen in die Sprechstunde. Die medizinische Hilfe läuft gut, doch nach Auskunft von Dr. Joseph Foblas, Arzt und Leiter des CSDI, fehlt es noch an Medikamenten für Kinder und an Vitamin- und Eisenpräparaten. Nach Ausbruch der Cholera im Oktober hat das CSDI-Team in den Lagern und in mehreren Schulen von Croix-des-Bouquets eine Sensibilisierungskampagne durchgeführt und Informationsbroschüren verteilt. AWO International hat in den Notlagern den Bau einer Schule und eines Kindergartens unterstützt. Die Grundschule mit vier Klassen besuchen zurzeit 170 Kinder, den Kindergarten 93 Kinder. „Die Situation der Kinder hat sich deutlich gebessert“, sagt die Erzieherin Marie France Philidor. „Im Kindergarten singen wir mit ihnen und erzählen ihnen Geschichten. So vergessen sie langsam ihr schweres Los.“ Neben Spielen, Malen und dem Vorschulunterricht sind Hygieneschulungen fester Bestandteil des Erziehungsprogramms, so die Erzieherin: „Wir weisen die Kinder darauf hin, dass sie nicht auf den Boden pinkeln, sondern die Latrinen benutzen sollen. Und wir erinnern sie daran, dass sie sich nach dem Gang zur Latrine und vor dem Essen regelmäßig die Hände waschen sollen.“ Auch wenn die Arbeit des CSDI in den Lagern deutlich vorangeht, besteht nach Meinung von Dr. Foblas weiterhin großer Handlungsbedarf: „Mit der Schule und dem Kindergarten haben wir mittlerweile zwar eine Lösung für die Schul- und Kleinkinder, doch ein großes Problem sind die Kinder, die in den Lagern geboren werden.“ Dies zeigt sich besonders in einem Notlager, in dem die Organisation CSDI erst seit August dieses Jahres tätig ist.
589 Familien mit 350 Kindern leben hier unter katastrophalen Bedingungen „Hier haben alle Hunger!“, sagt Absolu Marc Handel, Sprecher des Lager-Komitées. „Ein alter Mann und ein zweijähriges Kind sind vor kurzem gestorben, weil sie nicht genug zu essen hatten. Uns fehlt es an allem: Wir haben kein sauberes Wasser, keine medizinische Versorgung. Viele sind krank. Am meisten Sorgen machen uns die Kinder.“ In diesem Lager kümmert sich das CSDI-Team bislang vorrangig um Mütter und ihre neu geborenen Kinder. Mehr ist wegen fehlender Mittel zurzeit nicht möglich. Das bedauert Dr. Foblas sehr, denn: „Medizinische Hilfe allein reicht nicht. Wir bräuchten hier dringend ein Ernährungsprogramm. Vor allem für Mütter. Da die Mütter oft traumatisiert und unterernährt sind, sind auch ihre neu geborenen Kinder in einer schlechten Verfassung. Die Säuglinge müssen wir nicht einmal mehr wiegen. Wir sehen sofort, dass sie unterernährt und für ihr Alter viel zu klein sind. AWO International ist der Fachverband der Arbeiterwohlfahrt für Entwicklungszusammenarbeit und Humanitäre Hilfe.
In Asien und Lateinamerika führt AWO International gemeinsam mit lokalen Partnerorganisationen entwicklungspolitische Projekte durch. Hilfe zur Selbsthilfe ist das Konzept, nachhaltige Entwicklung das Ziel. AWO International e. V. Markgrafenstraße 11 10969 Berlin Telefon: +49 (0)30 25 292 364 E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. Internet: http://www.awointernational.de